Ein geldpolitisches Manifest für Europa

Der Bestand der Europäischen Union – und somit der Friede in Europa – sind ernsthaft gefährdet. Die Hauptursache hierfür sind falsche Theorien über die ökonomische Wirklichkeit sowie eine fehlerhafte Konstruktion des Eurosystems; allerdings ist dieser Fehler an einer ganz anderen Stelle zu verorten, als allgemein angenommen wird. Insbesondere in Deutschland setzten sich diese neuen Erkenntnisse nicht durch, da diese Krise zur Zeit noch überwiegend jenseits der deutschen Grenzen stattfindet. Tatsächlich ist aber Deutschland mit seinen merkantilistischen und austeritätspolitischen Vorstellungen inzwischen international weitgehend isoliert.

Was sind also nun die wirklichen politischen und ökonomischen Ursachen dieser schweren Krise? Fünf zentrale Problembereiche werden im Folgenden kurz erläutert und sodann eine Lösungsstrategie aufgezeigt, die im Hinblick auf ihre Umsetzungschancen weitaus realistischer ist als der Rettungsplan, der vor wenigen Tagen von führenden Köpfen der internationalen Politik vorgestellt wurde. Weiterlesen

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Kapitalismus in der Krise?

So lautet die provokative Überschrift eines Papiers von Carl Christian von Weizsäcker, dessen Kernthesen er gestern auf einer internationalen Veranstaltung der Universität Leipzig zum Thema Zero Interest Rate Policy and Economic Order vorgestellt hat. Nachdem William White mit seinem bemerkenswerten Vortrag Montagabend die Messlatte schon sehr hoch gelegt hatte, legte von Weizsäcker nach und räumte mit einer Vielzahl von gängigen Mythen auf, die insbesondere die deutsche, aber eben auch die internationale Debatte dominieren. Weiterlesen

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Die monetäre Krise des Kapitalismus

Eine systemtheoretische Analyse von Schuld und Schulden

Der Kapitalismus befindet sich schon seit einigen Jahren in einer schweren systemischen Krise, die mit den alten Rezepten der Geld- und Wirtschaftspolitik nicht mehr gelöst werden kann. Diese Krise ist systemischer Natur und hat ihre Ursache in zu geringen Wachstumsaussichten in gesättigten Märkten. Damit fehlt die wesentliche Antriebsmotivation, die das kapitalistische  System so erfolgreich gemacht hat und droht nun in eine globale Abwärtsspirale zu münden, die nicht nur den materiellen Wohlstand bedroht sondern zugleich die Freiheit und das friedliche Zusammenleben der Völker.

Der Kapitalismus verdankt seinen Namen dem Fremdkapital. Dieses Fremdkapital wird durch das Bankensystem im Rahmen eines vertraglichen Schuldverhältnisses erzeugt. Durch einen Bankkredit wird also schon heute zusätzliche Kaufkraft erzeugt, die auf eine zukünftige Leistungserbringung ausgerichtet ist. Es ist der Schuldendruck des Kreditnehmers, der die Gegenwart mit der Zukunft verbindet. Dies ist der größte blinde Fleck der Ökonomie, der bis zum heutigen Tag weder erforscht, geschweige denn verstanden worden ist. Auch nicht von den Marxisten.

Im Zentrum der folgenden Analyse wird daher insbesondere das durch Schuldverhältnisse determinierte Wirtschafts- und Geldsystem stehen und zugleich die soziale und religiöse Dimension von Schulden in ihrem historischen Kontext beleuchtet. Denn nur dann, wenn wir die Funktionsweise und die Grenzen des Kapitalismus verstanden haben, können wir die richtigen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser schweren Krise ergreifen. Es ist – neben dem Klimawandel – die zentrale gesellschaftliche Herausforderung in diesem Jahrhundert. Jeder Tag, den wir hier verstreichen lassen, bringt uns dem systemischen Kollaps näher. Und kollabierende Systeme reagieren chaotisch und sind nicht mehr kontrollierbar. Die Geschichte der Menschheit der letzten 5000 Jahre kennt hierzu zahlreiche Beispiele.

This time isn’t different. Dies haben die zwei Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff in Bezug auf die Finanzkrisen der letzten 800 Jahre klar und deutlich herausgearbeitet. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter: Es ist genau so, wie es in der Menschheitsgeschichte schon immer war. Es ist eine Geschichte von Macht, Ausbeutung und Unterdrückung. Der Klassenkampf hat nie geendet, wir wurden lediglich in einer vergangenen Phase der Sozialen Marktwirtschaft temporär sediert. Diese Krise ist allerdings globaler Natur und somit viel größer als alles andere, was wir bislang gesehen haben.

Hier geht es zur vollständigen Analyse: Die monetäre Krise des Kapitalismus (PDF-Datei 270 KB)

update 21.02.2016: Nun hat auch das Zentralorgan der deutschen Wirtschaft die Krise des Kapitalismus ausgerufen. Die Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, Miriam Meckel, schreibt in ihrer wöchentlichen Kolumne:

Es steht nicht gut um die europäischen Banken: kein Zeichen für eine neue Finanzkrise, sondern für eine Krise des Kapitalismus.

update 07.03.2016: Nach der Wirtschaftswoche ruft nun auch Mervyn King – von 2003 bis 2013  Gouverneur der britischen Zentralbank – die Krise des Kapitalismus aus:

The crisis was a failure of a system, and the ideas that underpinned it, not of individual policymakers or bankers

Und hier noch ein Beitrag von Michael Hudson in der FAZ von 2011. Immer noch hoch aktuell.

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Aufgelesen bei Thomas Mayer: Wer ist wirklich schuld an den niedrigen Zinsen?

Auch Thomas Mayer hatte uns in seiner Kolumne bei der FAZ die Weltwirtschaft erklärt. Als ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank gehört er zu den wenigen Ökonomen, die ihr monetäres Paradigma in Frage gestellt haben und auf der ehrlichen Suche nach neuen Antworten ist (ja, es gibt auch ehrliche Banker und Ex-Banker). Meine heutige Analyse seiner Kolumne vom Februar dieses Jahres ist im Zusammenhang mit dem gestrigen Beitrag zum Erklärversuch von SPON zu sehen (bitte zuerst lesen) und soll verdeutlichen, wie groß die Missverständnisse zum Thema Zinsen in unseren Köpfen verankert sind und wie schwierig es ist, zu den richtigen Antworten zu kommen. Weiterlesen

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Aufgelesen bei SPON: Endlich verständlich: Wie Zinsen die Welt verändern

Der Name dieses Blogs ist Programm: Zinsfehler!

SPIEGEL ONLINE hat es sich zur Aufgabe gemacht, uns endlich die Welt verständlich zu erklären. Aber leider wird der Autor Stefan Kaiser diesem Anspruch kaum gerecht. Manches wird richtig dargelegt, vieles bleibt unklar und einiges ist schlichtweg falsch. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier die aus meiner Sicht wichtigsten Defizite des Erklärversuchs von Stefan Kaiser. Weiterlesen

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Schäxit oder €xit

Regelmäßige Leser dieses Blogs kennen meine Kassandrarufe. Leider scheinen sich meine schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten, die ich vor gut einem Jahr in diesem Aufruf formuliert hatte. Weiterlesen

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Zombinomics oder die Pfählung der Loanable Funds Theorie

Es gibt ökonomische Theorien, die wie Zombies ihr Dasein auch weit jenseits der ökonomischen Lehrzirkel fristen  und einfach nicht tot zu kriegen sind. Hierzu zählt insbesondere die Loanable Funds Theorie (LFT), die hier in diesem Blog schon mehrfach kritisiert wurde (z. B. im ersten Beitrag Zinsmythen). Weiterlesen

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